Gokyo-Everest-Trekking – Tag 15 Island Peak (6189 m) - Chukhung - Dingboche

Ein halbe Stunde nach unserer Ankunft sind wir komplett und schiessen das "offizielle" Gipfelfoto

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Die Besteigung des Island Peak…
…und die folgende Route vom Base Camp zurück nach Dingboche

Den Wecker für unseren grossen Tag stellte ich auf 23.59 Uhr, doch ich war kurz vorher bereits wach. Dies nach einer erstaunlich guten „Nacht“. Um 18.30 Uhr verzog ich mich in unser Zelt, stopfte die Kopfhörer in die Ohren und entschwebte ins Land der Träume. Mit Ausnahme eines „Boxenstopps“ schlief ich praktisch durch, was mich doch etwas überraschte. Gewohnt war ich mir früheren Gipfelbesteigungen, dass ich die Nacht zuvor wegen Aufregung und Anspannung kaum Ruhe fand. Nun, umso besser!

Beim Aufstehen zeigte das Thermometer draussen -9 Grad. Ich entschied mich trotzdem, noch nicht alle Schichten anzuziehen und hoffte nach dem Losmarschieren auf baldige Körperwärme durch Aktivität. Zuvor jedoch genossen wir noch ein ausgiebiges Bergsteiger-Frühstück mit Porridge, Corn Flakes, Eiern und Toast. Wie abgemacht standen wir leicht nervös pünktlich um 1 Uhr parat für den grossen Gipfelsturm. Was uns wohl in der Dunkelheit erwarten würde?

Zmörgelen kurz nach Mitternacht

Der lokale Chef-Bergführer, der nur diese eine Tour leitet, legte ein sehr gemächliches Tempo vor. Glücklicherweise waren die ersten paar hundert Meter noch fast flach. Mir half das, meine „Maschine“ langsam auf Betriebstemperatur zu bringen. Aber so konnte es ja nicht weitergehen, denn knapp 1200 Höhenmeter mussten heute bewältigt werden. Die Lichtkegel unserer Stirnlampen waren zum Glück nicht in der Lage, das ganze Ausmass des Berges auszuleuchten. Es war zwar noch ein Paar vor uns unterwegs, die wir ab und zu weit oberhalb von uns beobachten konnten. Ich hielt mich ans Motto von Bergführer Hanspeter: einfach Schritt um Schritt machen, dann bist du irgendwann oben.

Das einzige brauchbare Foto vor dem Tagesanbruch, hier eine unserer Teepausen

Die Anstrengungen in dieser dünnen Luft waren gross. Immer wieder machten wir kurze Pausen, damit die Gruppe beisammen blieb. Die Stunden vergingen. Wir wussten von der Beschreibung her, dass auf der Höhe von 5800 Meter der Übergang auf den Gletscher erfolgen würde. Ich rechnete für diese ersten 700 Höhenmeter mit gut 4 Stunden. Und tatsächlich, um 05.15 Uhr hiess Steigeisen anschnallen. Zu diesem Zeitpunkt war zwar von der Sonne noch weit und breit nichts zu sehen. Doch der anbrechende Tag spendete bereits genügend Licht, um ohne Stirnlampen den vorgespurten Weg über den Gletscher gehen zu können. Die langsam sichtbaren Berggipfel und erste Sonnenstrahlen sorgten für neue, dringend benötigte Energie.

Viertel nach fünf, wir ziehen die Steigeisen an
Schon hier ist das Lächeln leicht gequält
Eine traumhafte Morgenstimmung
Die Fotos täuschen, es war hier noch recht dunkel
Gefühlt sind wir schon auf gleicher Höhe wie die Ama Dablam
Nun am Seil gesichert nehmen wir Schritt für Schritt
Hinter mir Te Kumar
Es folgen ein paar spannende Stellen über…
…von der Natur geformte Schnee- und Eisbrücken sowie…
…von Menschen installierte Kletterhilfen
Im Labyrinth
Gelje scheint noch nicht annähernd müde zu sein
Die ersten Sonnenstrahlen treffen auf den Gipfel der Ama Dablam
Da ist es, unser grosses Ziel: der Gipfel des Island Peak

Weitere 90 Minuten später standen wir dann vor dem letzten grossen Hindernis: die sehr steile, mit Fixseilen gesicherte, Rampe hoch zum Gipfel. Alleine hier waren nochmals mehr als 200 Meter zu überwinden. Ich (und vermutlich auch alle anderen) schaute ehrfurchtsvoll hoch und befürchtete Schlimmes. Es war brutal, jeder Höhemeter musste ich mir hart erkämpfen. Ich war der Erste im Fixseil, was für die anderen hiess, dass sie hinter mir warten mussten. Ich glaube aber, die waren darüber gar nicht mal so unglücklich…

Letzte Pause, bevor wir die Schlussrampe in Angriff nehmen
Die Rucksäcke liessen wir zurück, was mir angesichts der dünnen Luft nicht schwerfiel
Ein Blick zurück zu Dani und Ama Dablam
Hier ein Eindruck über die Steilheit beim Aufstieg
Was für ein Gefühl! Die 6000er-Marke überschritten!
Gipfelgrat erreicht, und während mein Steigeisen montiert wird, habe ich Zeit für ein Foto in die Tiefe

Kurz vor dem Gipfel erreichte ich dann mit letzter Kraft den Gipfelgrat. Dies mit einem Steigeisen, welches sich kurz vorher noch gelöst hatte. Ein nicht zu unserer Gruppe gehörender Bergführer half mir dann bei Wiederanziehen – ich war über diesen Service nicht unglücklich. Die letzten Meter auf dem Gipfelgrat waren schlussendlich kein Problem mehr, und so stand ich exakt um 08.12 Uhr ganz oben auf dem 6198 Meter hohen Island Peak. FANTASTISCH!!! Was für ein Moment! Kurz nach mir erreichten mein Bruder und die Walliser Fraktion den Gipfel. Wir genossen gemeinsam die wunderschöne Aussicht auf Nepals Bergwelt. Etwas deprimierend war der Nachbarberg Lhotse, ist er doch noch mehr als 2000 Meter höher als „unser“ Island Peak. Aber man sollte in diesem Moment ja nicht das Haar in der Suppe suchen! Der Blick hinunter noch Chukhung und Dingboche zeigte sehr deutlich das Ausmass unserer Leistung: die Dörfer lagen sehr weit unter uns. Und wie wir später vom Rest der Gruppe erfuhren, wurden wir dabei von unten beobachtet.

Das grosse Ziel ist erreicht, wir nehmen die Gratulationen von Te Kumar mit Freude entgegen
Das erste Gipfelfoto, während unsere 2 Kollegen noch Aufstieg sind
Das wohl für immer höchstgelegene brüderliche Selfie der Hummelis
Wir geniessen die Zeit bis zur Ankunft der noch fehlenden Zwei und…
…geniessen die Aussicht auf den 8516 Meter hohen Lhotse… sowie…
…den in der Ferne sichtbaren…
…8481 Meter hohen Makalu
Ein halbe Stunde nach unserer Ankunft sind wir komplett und schiessen das „offizielle“ Gipfelfoto

Bis die letzten unserer Gruppe oben waren, hatten wir luxuriöse 30 Minuten Zeit. Wir schossen das obligatorische Gruppen-Gipfelfoto und machten uns um 08.50 Uhr auf den Weg nach unten, welcher ja bekanntermassen genau so zum Gipfelerfolg gehört wie der Aufstieg. Und eben dieser Abstieg hatte es grausam in sich. Zuerst an den Fixseilen runter, was noch relativ einfach war aber dennoch enorm viel Kraft kostete.

Mein Bruder wird von Te Kumar für die Abseilstrecke vorbereitet
Der Blick in die Tiefe war sehr eindrücklich
Bevor auch ich mich ans Abseilen machte,…
…warf ich noch einen letzten Blick runter ins Tal
Mitten in der Rampe nutze ich eine Verschnaufpause für ein weiteres Foto
Das steilste Stück ist geschafft, bald bin ich zurück beim Rucksackdepot
Puuuhhh, jetzt mal durchschnaufen

Die rund 200 Höhenmeter runter über den Gletscher waren ebenfalls noch halbwegs interessant und abwechslungsreich. Aber die folgenden 700 Meter über die Geröll- und besonders Staubpiste wollten und wollten kein Ende nehmen. Wir fragten uns einige Male, ob wir das in der Nacht tatsächlich auch alles aufgestiegen sind. Nach gefühlten 3 Kilogramm eingeatmetem Staub, einem rumpelsurigem (für die deutschen Leser: komischen) Magen und ziemlicher Erschöpfung erreichten wir um 12.30 Uhr, also elfeinhalb Stunden nach dem Start, das Base Camp.

Der Weg über den Gletscher führte wieder über die bereits bekannte Leiter
Die letzten Meter über Schnee und Eis
Bald verlassen wir die Gletscherwelt
Am Himmel zeigt sich eine schön gemusterte Wolke
Der endlos scheinende Abstieg über Geröll beginnt
Imposante Eisformationen neben der Ama Dablam
Weit, sehr weit unten ist das Base Camp zu sehen
Eines der sehr wenigen Fotos während des Abstiegs
Fast 12 Stunden nach dem Abmarsch sind wir zurück im Base Camp
Eine erste Notversorgung mit Tee
Ein ganz klein wenig erschöpft sind wir schon…

Leider war hier die Reise noch nicht zu Ende. Weitere fast 11 Kilometer warteten auf uns, denn erst in Dingboche war unsere nächste Übernachtung auf dem Programm. Also mussten wir jetzt halbtot unser Material zusammenpacken und durften (oder mussten) was essen. So gestärkt schafften wir es irgendwie, kurz vor der totalen Dunkelheit in Dingboche anzukommen. Die Nicht-Bergsteiger erwarteten uns bereits, wussten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob und wer’s auf den Gipfel schaffte. Der Empfang in der Lodge war entsprechend frenetisch und liess die Schmerzen und Erschöpfung für einen Moment vergessen. Zur Feier des Tages wurde uns aus der Schweiz mitgebrachtes Fondue serviert; zwar nicht gewohnt direkt aus dem Caquelon, sondern eher als eine Mischung aus Fondue und Raclette. Tat aber dem Geschmack keinen Abbruch und sorgte für einen gelungenen Schluss des Tages.

Wir verlassen das Base Camp und starten zur zweiten Etappe des heutigen Tages
Eine kleine Pause kann in unserem Zustand zu akutem Einschlafen führen
Ein Blick auf Chukhung, wo wir vorletzte Nacht verbrachten
Zwischen Chukhung und Dingboche macht sich die Sonne langsam aus dem Staub
Der Tag neigt sich dem Ende zu, Nebelschwaden schleichen ins Tal und wir erreichen bald Dingboche
Kulinarischer Abschluss eines sehr langen Tages
Fondue auf nepalesische Art

Den Erfolg kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht wirklich geniessen, das braucht wohl noch ein paar Tage. Und sowieso will ich jetzt nur noch schlafen!

Tagesfakten Teil 1: 11,4km, 11h30min (brutto), 1190m Aufstieg, 1190m Abstieg

Tagesfakten Teil 2: 10,8km, 2h50min, 60m Aufstieg, 730m Abstieg

Weiter mit Tag 16

6 Kommentar

  1. Hei Erich, beeindruckende Leistung, nebenbei noch die tollen Pics und den Blog zu schreiben . Herzliche Gratulation!! Wünsche noch schöne Tage in Nepal.

  2. Familie Ruzicka gratuliert zu der super Leistung und wünscht euch eine gute, freudige Heimkehr!

  3. Hallo Erich Besten Dank für den interessanten Reisebericht und die wunderschönen Bilder. Es ist jeden Tag eine Freude über Eure Erlebnisse zu erfahren. Herzliche Gratulation an alle zur Besteigung des Island Peaks – eine grossartige Leistung, auf die Ihr stolz sein könnt! Dir wünsche ich gute Besserung und ganz ganz liebe Grüsse an meine Walliserfreunde Sandra & Sacha…. Könntest Du die 2 instruieren, wie man Reiseberichte schreibt;-)….. aber das wäre wohl ein schwieriges Unterfangen, wenn man schon die Kameras zu Hause liegen lässt….. Geniesst Eure restliche Zeit – Sorg häbe & äs liäbs Grüässji usum Wallis Christine (alias „Vogil“)

  4. Hallo zäme

    Einfach grandios, was ihr mit der Besteigung des Island Peak geleistet habt. Wir haben im Kreuz in Neuendorf auf euch angestossen. Ihr gebt uns glücklicherweise einen Grund zum Feiern, was man vom EHC Olten weniger sagen kann.
    Während ihr nun auf dem Rückweg seid und hoffentlich weiter gut verköstigt werdet und auch wieder Bäckereien mit leckeren Angeboten euren Energiespeicher füllen, geniessen wir am Sonntag im Biorestaurant der VEBO einen Brunch, wo alles im Angebot steht, was das Herz beziehuingsweise der Magen begehrt.
    Wir wünschen euch weiterhin ideales Wetter und eine unfallfreie Rückkehr.
    Herzliche Grüsse
    Ursi und Hugo

  5. Herzlichen Glückwunsch jeder Person, die diese Strapazen auf sich genommen haben! Ganz egal, ob sie bis zur Spitze gekommen sind , oder nicht. Dies ist eine riesen Glanzleistung und jede Person ist bis an sein Limit gegangen. Da kann ich nur den Hut ziehen. So ein Erlebnis erleben nur wenige Personen und IHR gehört dazu!!!!! Sensationell. Tolle Leistung. Vielen Dank für die täglichen, spannenden Infos. Freue mich, euch persönlich gratulieren zu dürfen. Bis bald. Bleibt gesund und kommt heil retur. Gruss Fränzi und Ernst

Ich freue mich über euer Feedback, Aufmunterungen und Lob! :-)

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